Chronik

Die Chronik des Dorfes Burgholz wurde im Jahre 1983 von dem Burgholzer Bürger Hermann Weber niedergeschrieben.

Über den Ursprung, bzw. über die Entstehung der Ortschaft Burgholz – in der Entstehungszeit noch Borgholcz geschrieben- sind geschichtliche Aufzeichnungen nicht vorhanden. Leider fehlen bis zur Einführung des Christentumes jegliche schriftlichen Aufzeichnungen, so dass über der ganzen Zeit der von Wissenschaftlern geprägte Satz steht: „ Hassia non scribet !“ Das heißt: „ Hessen schreibt nicht !“

Es kann aber auf grund von geschichtlichen Merkmalen angenommen werden, dass etwa im 8.Jahrhundert eine Burg auf der nach zwei Seiten steil abfallenden Bergzunge, die sich entlang des Wohratales in nördlicher Richtung spitz vorschiebt, im sogenannten Distrikt „Keller“ erbaut wurde. Vor dieser Burg, die schildförmig angelegt war, sind heute – im Jahre 1983 – noch sichtbare Spuren über den Verlauf der ehemaligen Befestigungsmauer dem Auge des Betrachters klar erkennbar. Die Befestigungsanlage war 215 Meter lang und hatte an ihrer breitesten Stelle eine Ausdehnung von 102 Meter. Der Name der Hunburg ist zwar nicht überliefert, er kann aber mit Vorsicht auf die „Hundsburg“ in der Hundsbach rückgeschlossen werden; denn der feste adelige Hof in der Hundsbach war wie Burgholz ein Lehen der Riedesel von der Abtei Fulda. Der nur 1 km nordöstlich von der Hunburg gelegene Hof in der Hundsbach (Hof Henebuches) war schon früh wüst geworden.

Mit größter Wahrscheinlichkeit handelt es sich bei der Hunburg nach Meinung des Leiters des Amtes für Bodenaltertümer in Marburg (Otto Uenze) um eine karolingische Anlage – Staatsfestung – des 8. Jahrhunderts. Eine solche Zuweisung stützt sich auf die tatsache, dass wir ähnliche Befestigungsanlagen (Burgen ) von schildartiger Form auf schmalem Bergvorsprung mit trennendem Graben an der Bergseite kennen, deren karolingischer Ursprung feststeht. So unter anderem das Gronauer „ Alte Schloss“ über dem Salzbödetal bei der Schmelzmühle und am „Burgring“ bei Godelsheim im Waldeckschen. Da urkundliche Belege fehlen, ist das Alter der ehemaligen Burganlage im Distrikt „Keller“ auf der Burgholzer Höhe, nur durch Vergleiche mit ähnlichen Befestigungsanlagen zu datieren. Größe, Form, Mauer – und Wallart deuten mit ziemlicher Sicherheit daraufhin, dass man es bei der Hunburg mit einer etwa im 8. Jahrhundert n. Chr. erbauten Staatsfestung ( Curtin ) zu tun hat.

Die Hunburg war nach geschichtlicher Deutung eine Grenzburg des Lahngaues zum Hessengau. Sicherlich eine Schutzvorrichtung der Franken gegen die Sachsen. Hinter Burgholz treten die steil abfallenden Bergwände (Burgholzer Wand) zum Wohratal hin zurück. Das mittlere Wohratal weitet sich hier zu einer weiten Talaue aus, um sich dann bei der Ortschaft Wohra wieder zu verengen. Die Grenze zwischen dem Lahn- und Hessengau verlief quer zum Tal bei Wohra. Von der Burgholzer Höhe konnte das angrenzende Land im Hessen- und Lahngau gut überblickt werden. Die „Hunburg“ war eine Burg im Holz, von der aus die Wacht über das von hier aus gut einsehbare Wohratal ausgeübt werden konnte. In diesen strategischen Voraussetzungen ist wohl auch der Grund zu suchen, dass zur Sicherung des Lahnaugebietes, in dem Bonifatius im Jahre 721 n.Cr. auf der Amöneburg eine Klosterzelle errichtet hatte, hier auf der Burgholzer Höhe eine Befestigungsanlage entstand. Zum Bergrücken – auf der Südseite -, der Stelle, von wo der Gegner am leichtesten eindringen konnte, war die „Hunburg“ durch einen Spitzgraben von 6 Meter Breite und 2,50 Meter Tiefe, mit einer Palisadenreihe auf dem Grund des Grabens, abgetrennt. Diese Bauweise deutet auf karolingischen Ursprung hin. ( Karl der Große regierte in der sogenannten Karolingerzeit von 768 bis 814 n.Chr.

Im Südosten hatte die Befestigungsanlage „Hunburg“ ein Tor gehabt. Zwei gleichlaufende Erhebungen, die das Haupttor bildeten, sind im Jahre 1983 noch zu erkennen. Nach dem ehemaligen Standort des Haupttores strebt noch jetzt von der Dorfmitte her ein als leichte Terrasse erkennbarer Weg. Die Zufahrt zur Befestigungsanlage Hunburg erfolgte vermutlich vom heutigen Lindenplatz aus über das Grundstück Konrad Michel – in Burgholz Eckemichel genant-. Die Torgasse, die von 12 Meter langen Wangen gebildet wurde, hatte vermutlich einen doppelten Verschluss gehabt. Westlich des Haupttores liegt im Burginneren der „Keller“, eine eiförmige Vertiefung von 20 Metern Länge und 15 Meter Breite, dem im Westen der Burghof vorgelagert war. Hier, wo die Vertiefung des „Kellers“ heute noch zu sehen ist, soll das „Steinerne Haus“, das Hauptgebäude des Burghofes, gestanden haben. Unebenheiten der Oberfläche auf dem Hunburggelände lassen auf Reste von weiteren Gebäuden schließen. Es dürfte sich hierbei um Vorratsgebäude, wo die Abgaben der umliegenden Siedler gelagert wurden, gehandelt haben. Es sind aber auch Stallungen für das Vieh und Unterkunftsgebäude für die Wehrleute in den noch zu erkennbaren Unebenheiten der Oberflächen zu vermuten.

 Auf der östlichen Steilhanglage der Burganlage konnte man durch die „ Katharinenpforte“ – auch Wasserpforte genannt- über einen Pfad zum Katharinenborn gehen, um dort Wasser zu holen. Der Mauerdurchbruch für die Pforte, und der Pfad hinab zum Katharinenborn sind im Jahre 1983 ebenfalls noch klar zu sehen bzw, zu erkennen. Nach einer Sage soll die Burgfrau „Katharina“ beim Wasserholen für den Hofsitz durch das Katharinenpförtchen zum Katharinen- brunnen gegangen sein.

Später holten sich die Bewohner des Dorfes Burgholzes bis zum Jahre 1925 ihr Trinkwasser aus dem Katharinenborn, der, wie an der eingemeißelten Jahreszahl an dem Stein über der Türe zum Quellhaus zu erkennen ist, im Jahre 1779 überwölbt wurde. Die Wölbung des Brunnens ist heute noch unverändert. Ab dem Jahre 1925 brauchten die Burgholzer Bürger nicht mehr ihr Trinkwasser am Katharinenbrunnen zu holen. Sie hatten eine Wasserleitung, von der Siddelbornquelle ausgehend, erhalten. Ungeklärt ist, ob der Katharinenbrunnen seinen Namen, den er noch heute trägt, von der Burgfrau „Katharina“ oder von der Schutzheiligen der Kirche in Burgholz, der heiligen Katharina, erhalten hat.

Im Jahre 1936 führte der Volontär-Assistent Willi Görien von Prof.H.E. Stengel und Heinrich Diefenbach im Rahmen der Arbeiten des Institutes für geschichtliche Landeskunde von Hessen und Nassau eine Untersuchung der hiesigen Burganlage im Distrikt „Keller“ durch. Bei einer im Rahmen der Untersuchung erfolgten Ausgrabung wurden an einer Stelle im Nord-Osten der Burganlage Reste der Befestigungsmauer freigelegt. Insgesamt führten Willi Görich und Heinrich Diefenbach im Jahre 1936 fünf Suchschnitte an der ehemaligen Befestigungsmauer bei ihren Grabungen durch, um die Art der Umwehrung festzustellen. Die Mauer trug sicherlich eine 1,30 bis 1,70 Meter hohe Brustwehr. Auch diese im Jahre 1936 von Willi Görich und Heinrich Diefenbach durchgeführten Untersuchungen der Burganlage auf dem Burgholzer Höhenrücken ergab, das die ehemalige „Hunburg“ als karolingische Wehranlage angesehen werden muß.

Leider sind die im Jahre 1936 freigelegten Mauerreste der ehemaligen Hunburg in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg durch Kinderhand zerstört worden.

Nach dem Zerfall des Reiches Karls des Großen gelangte die Burganlage „Hunburg“ in den Besitz des Klosters Fulda. Im 11. Jahrhundert dürfte die Hunburg ihren amtlichen Charakter als Grenzbefestigung verloren haben. Wahrscheinlich hatte sich der vorher in der Burganlage Hunburg befindliche Gebietsmittelpunkt im 10. oder 11. Jahrhundert nach dem um das Jahr 1060 vom Stift Fulda gebauten Schloß bei Rauschenberg verlagert. Die fuldisch-ziegenhainische Amtsburg in Rauschenberg hatte damit die Nachfolge des Gebietsmittelpunktes Hunburg angetreten. Welche Gründe im einzelnen für den Wechsel des Ortes der Grenzbefestigung maßgebend gewesen sein mögen, ist an dem Mangel irgendwelcher Überlieferungen heute nicht mehr mit Sicherheit zu sagen. Vielleicht war das Kloster Fulda nicht mehr imstande, diese große Burganlage auf der Burgholzer Höhe zu unterhalten und baute daher im Jahre 1060 eine kleine Burg bei Rauschenberg.

Die Ringmauer der Hunburg hat dann nach dem Verlassen der Befestigungsanlage bis gegen 1900 als Steinbruch für die Rauschenberger und Burgholzer gedient.

Bis zum Jahre 1401 waren die Äbte von Fulda Inhaber der Hunberg. Das Kloster Fulda war Lehns- und Gerichtsherr des Dorfes. Ihre Verwalter übten die Rechte und Pflichten, die in einen solchen Besitz verbunden waren, aus. Sie zogen Abgaben ein, hatten also Einkünfte und gewährleisteten den Bewohnern militärischen Schutz, zu dem die Beschützen aber selber beizutragen hatten. Natürlich kamen die hochmögenden fuldischen Geistlichen kaum selber, diese Rechte auszuüben. Dafür setzten sie Verwalter, zumeist Adelige, ein. So wird Burgholz erstmals im Jahre 1317, als die Abtei Fulda Burgholz mit dem Gelände der Hunburg und dem zugehörigen Wald dem Ritter Johann Riedesel als Lehen übergab, im Urkundenarchiv Ziegenhain als Borgholcz erwähnt.

Die Stadt Kirchhain besaß bis um 1900 die südlich und südöstlich von Burgholz in dessen Gemarkung gelegenen Wälder Diebstal, Sack und Gedönner sowie die Waldungen Hunsbach und Scheuerhain. Die Burgholzer Bauern hatten in diesen Wäldern Huterechte für ihr Vieh. Mithuterechte hatten auch die Emsdorfer und Langensteiner Viehhalter. Das unmittelbar an Burgholz angrenzende Buchholz gehörte damals zu der Gemarkung Emsdorf; es war geradezu aus der Burgholzer Dorfmark herausgeschnitten. Die Hunburg wurde bis gegen 1401 von dem Rittergeschlecht Riedesel bewohnt. Im Jahre 1401 kaufte der Landgraf von Hessen ( Hermann ) Burgholz mit der Streithecke – ein kleines Waldstück ostwärts Burgholz- und es hört auf damit, ein Lehen Fuldas zu sein. (Siehe Urkundenarchiv Ziegenhain)

Die Verwalter eines bestimmten Gebietes waren zu dieser Zeit große Herren von Rang und Ansehen. Sie übten die Schutzherrschaft über ein festes Gebiet aus. Für solche Verwaltungen hatte man den Namen Vogtschaft geschaffen. Oft sind solche Vögte später selber Landesherren geworden. Die Grafen von Ziegenhain übten als Vogt die Verwaltung von Rauschenberg aus. Der Burggraf Gottfried aus dem Geschlecht der Ziegenhainer, verlieh im Jahre 1266 Rauschenberg die Stadtrechte. Im Jahre 1450 gingen Burg und Stadt Rauschenberg mit dem Aussterben des letzten Ziegenhainers in hessischen Besitz über.

Entstehung der Ortschaft Burgholz – früher Borgholcz
Vermutlich siedelten sich Lehnsleute des Mächtigen auf der Hunburg im angrenzenden Waldgelände der Befestigungsanlage an. Im sogenannten Holz an der Burg. Ein ungünstiger Siedlungsplatz, der auf der Höhe neben der Hunburg und weit entfernt von dem in Trockenzeit stets genügend Wasser liefernden Scheuerhainborn liegt. Auf dem wasserreichen Scheuerhain soll lediglich um das Jahr 1361 die „Burgholzer Mühle“ gestanden haben. Die unmittelbar neben der Hunburg entstandene menschliche Siedlung, das heutige Burgholz, dürfte auf dem ungünstigen Siedlungsplatz entstanden sein, weil der Lehnsmann damals dem Ritter zu Kriegsdienst und Treuer verpflichtet war. Der Lehnsherr, der Ritter, gewährte dafür seinen Lehnsleuten Schutz und leihte ihnen auch Boden, den sie bestellen konnten. Lehen, - im Mittelalter Nutzungsrecht an Grund und Boden – wurden als Abgeltung für besondere Leistungen gegeben, insbesondere für den Waffendienst.

Aus diesen geschichtlichen Tatsachen ist zu schließen, dass sich die menschliche Siedlung Borgholcz im damaligen Waldgelände auf der Höhe unmittelbar neben der Hunburg gründete. Vermutlich geschah dies im 11. bis 14. Jahrhundert. Das Dorf Borgholcz wurde erstmals im Jahre 1317, wie bereits erwähnt, urkundlich im Urkundenarchiv Ziegenhain als Ortschaft genannt, als es der Adelige Johann Riedesel vom Kloster Fulda als Lehen übernahm. Weiterhin wurde es im Jahre 1401 im Urkundenarchiv Ziegenhain erwähnt, als es ein anderer Johann Riedesel als fuldisches Lehen an den Landgrafen Hermann von Hessen verkaufte.

 Auch nach der sprachlichen Deutung der Ortsnamen vollzog sich die Besiedlung des heutigen Burgholz im 11. bis 14. Jahrhundert. (siehe „Ansiedlung und Wanderungen deutscher Stämme“ von M. Arnold)

1. Als älteste Wohnplätze (vorgermanisch-germanisch) sind die anzusehen, in deren Namen keltische Bezeichnungen stecken. Namen, die auf mar (Sumpf), lar (Ort ), loh (Wald ), tar (Baum) und idi (Wasser) enden. Die Entstehung dieser Orte setzt man in die zeit von 300 vor Chr. bis 400 nach Chr.

2. Die Orte mit den Endungen: ingen, heim, statt, hofen, dorf, bach, born, au, fahr, dürfen sich im 5. bis 8. Jahrhundert nach Christi entwickelt haben.

3. Die dritte Schicht wird durch die Nachnamen felden und hausen gekennzeichnet. ( Goßfelden bei Marburg, Albshausen, Ernsthausen) Sie dürften im 8. bis 11. Jahrhundert entstanden sein.

4. In die vierte Schicht werden die Orte mit den Endungen rod, hain (Kirchhain) holz (Burgholz), stein (Langenstein), berg (Rossberg), burg (Amöneburg), kappel und kirchen (Reißkirchen), einzureihen sein. Ihre Gründung erfolgte vermutlich im 11. bis 14. Jahrhundert.

Das Bevölkerungswachstum in der genannten Zeit zwang immer wieder zu neuem Siedeln. Man siedelte damals nicht nur im Tale, wie in Schmaleichen und Bartenhausen – das Wohngebäude und die Mühle in Bartenhausen wurden nach dem 2. Weltkrieg abgerissen- zu dieser Zeit bereits geschehen, man stieg auch hinauf auf die Höhen. Als Beispiel wäre hier Rauschenberg anzuführen. Die Bewohner von Schmaleichen zogen in dieser Zeit in die höher gelegene Region nach Rauschenberg, das viel später als Schmaleichen entstand, und ließen sich in der Nähe der Rauschenberger Burg auf dem heutigen Schlossberg nieder. Auf die Siedlung in Schmaleichen weist heute noch ein Steinkreuz, das seitlich der Strasse nach Rauschenberg kurz vor dem Viadukt (ehemalige Überführung der Wohratalbahn) steht, hin. Die Siedlung in Schmaleichen soll sogar eine Kirche gehabt haben.

 Vermutlich hatte das Schutzbedürfnis auch die Bewohner der schon früh wüstgewordenen Siedlung in der Hundsbach, der Turmburg (zwischen zwei Dämmen ) eines Zweiges der Riedesel im wasserreichen Tälchen der Hundsbach, zum Verlassen ihrer Siedlung bewogen. Über die ehemalige menschliche Siedlung in der Hundsbach liegen leider keine geschichtlichen Aufzeichnungen vor. Sie wurde im Jahre 1349 erstmals genannt und soll 1353 bereits wüst gewesen sein. Vermutlich hatten sich die Bewohner der ehemaligen Siedlung in der Hundsbach gleich den Bewohnern von Schmaleichen verhalten und waren in den Schutzbereich der „Hunburg“ gezogen.

Entwicklung der Siedlung Burgholz (Borgholcz) hinsichtlich der Haushalte und der Bewohner:
1571 = 13 Familien ( je 4 bis 5 Personen )
1577 = 16 Familien
1592 = 16 Familien, 16x Häuser

An den Eckbalken, die vom Sockel des Hauses bis zum Dach aus einem Stück bestehen, sind heute noch die ältestesten Häuser in Burgholz zu erkennen.

1629 = 14 Familien
1697 = 11 Familien
1747 = 17 Familien

Im Jahre 1775 brannte das Dorf Burgholz bis auf einige Häuser ab. Auch die Wohnung des damaligen Bürgermeisters mit sämtlichen Gemeindeakten verbrannte. Der Landgraf gewährte daraufhin den Dorfbewohnern eine vierjährige Dienst- und Abgabefreiheit. Kostenfreie Bausteine spendete die Ringmauer der Hunburg. Dennoch brachte der Wiederaufbau vielen Familien hohe Schulden. In der Umgebung gab es um das Jahr 1793 bis in den Anfang des 20. Jahrhundert hinein keine ärmere und bedürftigere Gemeinde als Burgholz. Das Gesamtbild des Dorfes Burgholzes änderte sich aber seit Ende des ersten Weltkrieges sehr. Burgholz blieb, bedingt durch seine extreme geographische Lage, ein kleines Dorf. Es entwickelte sich aber zu einem sauberen, schmucken Dorf, das in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts an der Spitze der Dörfer im Kreis Marburg rangierte.

Im Jahre 1852 hatte Burgholz 292 Einwohner und im Jahre 1905 nur noch 217 Einwohner. Was war der Grund, dass sich die Einwohnerzahl in Burgholz so stark verringert hatte? Es waren Einwohner, wie überall in dieser Zeit in deutschen Gauen, Ende der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die nach Amerika, der neuen Welt, ausgewandert sind. Die Hungerjahre 1846/47 dürften dazu beigetragen haben.

- 1928 = etwa 25o Einw.
- 1949 = 422 Einw. ( 25 Evakuierte + 182 Flüchtlinge )
- 1950 = 428 Einw.
- 1958 = 309 Einw.
- 1976 = 322 Einw.

Durch den Zugang der Flüchtlinge im Jahre 1946 – eine Auswirkung des zweiten Weltkrieges – war bis zum Jahre 1950 die Einwohnerzahl in der Dorfgemeinde Burgholz bis auf 426 Einwohner angestiegen. In den folgenden Jahren verringerte sich die Einwohnerzahl wieder, da viele Flüchtlinge aus Burgholz abzogen; vorwiegend nach Stadt Allendorf. Sie erhielten in Stadt Allendorf, in neu gebauten Siedlungen, wieder ausreichend Wohnraum und sie fanden in der neu aufgebauten Industrie für friediche Zwecke Arbeit, um den Lebensunterhalt der Famile zu bestreiten. Es war ein Verdienst des damaligen Hessischen Innenministers, Heinrich Schneider, Wohnraum und Arbeit auf dem Gelände der Rüstungsindustrie für die Flüchtlinge zu beschaffen. Er ließ auf dem Gelände der Rüstungsindustrie in der Nähe des Dorfes Allendorf- heute Stadtallendorf- Wohnungen bauen und die Industrie für friedliche Zwecke umwandlen.

Verhältnisse hinsichtlich der Verwaltung am Anfang des 19. Jahrhunderts
a) Die Gemeinde Burgholz wurde von dem Kreisamt Kirchhain, das ab 1821 bestand, verwaltet. Im Jahre 1932 wurde der Kreis Kirchhain aufgelöst und in den Landkreis Marburg/Lahn eingegliedert.

b) Hinsichtlich der Justiz zählte Burgholz zu dem Dienstbereich des Amtsgerichtes Rauschenberg, das allerdings Anfang der 30- er Jahre im 20. Jahrhundert aufgelöst wurde. Seit dieser Zeit zählt Burgholz zu dem Bereich des Amtsgerichtes Kirchhain.

c) Abgaben ( Steuern ) waren früher – im 18. Jahrhundert bis Anfang des 19. Jahrhunderts- an die Rentnerei Rauschenberg zu entrichten.

Verhältnisse hinsichtlich der Kirche
Die hiesige Kirche, in den Jahren 1831 bis 1832 erbaut, ist eine Filialkirche der Mutterkirche zu Halsdorf.

Die Zeit ihrer Gründung, bzw. Erbauung, der früher vorhandenen gewesenen Kapelle ist unbekannt. Schriftliche Unterlagen liegen hierüber nicht vor. Die heute nicht mehr vorhandene Kapelle soll im Kirchgarten gestanden haben; jedoch nicht an der Stelle, wo die heutige Kirche steht.

Der Pfarrer zu Halsdorf hatte zu Anfang des 19. Jahrhunderts den Gottesdienst und die sonstigen geistlichen Verrichtungen – wie Taufen, Beerdigungen- in der hiesigen Filialkirche vorzunehmen.

Die Konfirmanden mussten jedoch zum Konfirmanden Unterricht nach Halsdorf gehen. Im Winter, wenn der Schnee hoch lag, war der Weg nach Halsdorf für die Konfirmanden wahrlich kein Vergnügen. Die Konfirmanden wurden in der Mutterkirche zu Halsdorf konfirmiert. Dies ist auch im Jahre 1976/77 noch so gewesen. Der Schullehrer hatte neben seiner eigentlichen Aufgabe, die Kinder in der Schule zu unterrichten, die Verpflichtung gehabt, an Sonn- und Feiertagen die Nachmittagsgebete in der Filialkirche zu halten. Aus dieser alten Verpflichtung ist wohl auch herzuleiten, dass bis zur Auflösung der Volksschule in Burgholz, im Jahre 1971, der Schullehrer, zuletzt Herr Lehrer Holzhauer, sonntags in der Kirche während des Gottesdienstes und bei Beerdigungen die Orgel in der Kirche spielte. Die Besoldung des Pfarrers und des Schullehrers erfolgte früher durch Abgabe an Naturalien. Der Schullehrer, der auch gleichzeitig Kirchendiener war, erhob seinen Schullohn selbst. Eventuell verbleibende Rückstände wurden durch den Gemeindeerheber beigetrieben.

Schulverhältnisse in der Gemeinde Burgholz um das Jahr 1830
Die Schule war hier in der Zeit von 1830 selbständig. Die Volksschule in Burgholz stand zu keiner anderen Schule in Beziehung. In dem heute noch vorhandenen Haus Burgweg Nr. 4 war vor dem Jahr 1900 die Volksschule untergebracht. Das frühere Schulgebäude wurde im Jahre 1769 erbaut. Ein Stein mit der Jahreszahl 1769 war in der Hauswand zur Straßenseite bis zum Jahre 1976 noch zu sehen; dann wurde die Wand verkleidet und der Stein verdeckt. Vermutlich um 1900 kaufte der Burgholzer Bürger Heinrich Debus das Gebäude, es hatte früher die Hausnummer 21, der Gemeinde Burgholz ab und nutze es als Wohngebäude. Vor dem Gebäude lag in den 20ér Jahren noch ein kleiner Teich, der sogenannte Schulteich. Er wurde inzwischen zugeschüttet.

Die Nachkommen des Heinrich Debus, Konrad Debus und seine Schwester Christine, wohnen noch im Jahre 1983 in diesem Haus.

Das neue Schulgebäude, das die Burgholzer Volksschule bis zum Jahre 1971 aufnahm, dürfte somit um die Jahre 1898 bis 1899 erbaut worden sein. In diesem Gebäude waren außer dem Unterrichtsraum der Volksschule auch die Wohnräume für die Familie des Schullehrers untergebracht.

Der Unterricht wurde zur damaligen Zeit, um das Jahr 1830, in der Volksschule wie folgt abgehalten:

a.) Zur Winterzeit wurde an den Werktagen täglich zweimal, und zwar vormittags von 07.00 bis 10.00 Uhr und nachmittags von 12.00 Uhr bis 15.00 Uhr unterrichtet, ausgenommen Mittwochs und Samstags. Hier wurde nur am Vormittag unterrichtet.

b.) Zur Sommerzeit wurde nur viermal in der Woche vormittags unterrichtet und zwar montags, dienstags, donnerstags und freitags. Im Sommer mussten die Kinder ihren Eltern bei der Feldarbeit helfen.

Eigenartige Grenzsteine in der Gemarkung Burgholz
Im Wald zwischen Burgholz und Kirchhain und im Feld zwischen Burgholz und Emsdorf finden wir noch heute meterhohe Grenzsteine aus Sandsteine, die auf der einen Seite den „Hessischen Löwen“ und auf der anderen Seite das Wappenrad des Mainzer Erzbischofs tragen. Das sogenannte „Mainzer Rad“. Die Grenzsteine kennzeichnen die Besitzverhältnisse früherer Zeit. Die Orte mit katholischer Bevölkerung waren Eigentum des Erzbistums Mainz; die Orte mit evangelischer Bevölkerung waren hessisch. Sie waren Untertanen des Landgrafen in Marburg.

Heute erinnern nur noch die Grenzsteine, die die Jahreszahl 1756 tragen, an den früheren Besitzstand.

Im Jahre 1527 trat Landgraf Philipp der Großmütige mit den Bewohnern seines Landes zum lutherischen Glauben über. Luther traf sich mit Zwingli im Jahre 1529 in Marburg. Die Bewohner der mainzischen Gebiete blieben damals meist bei ihrem katholischen Glauben.

An diesem bevölkerungspolitischem Gesamtbild hat sich bis heute bei uns in Hessen nichts geändert. Siehe Emsdorf, es ist rein katholisch und Burgholz ist heute noch, von wenigen Ausnahmen abgesehen, rein evangelisch. Bis in die 20ér Jahre hinein lebte in Burgholz kein katholischer Einwohner.

Die Burgholzer Sage vom Riese Siddel
Die Sage von Burgholz erzählte, dass auf der Hunburg“ und auf dem Schloss bei Rauschenberg in alter Zeit zwei Riesen wohnten. Sie sollen Brüder gewesen sein, von denen der eine „Rausch“ und der Burgholzer “Siddel“ hieß. Beide hatten auf ihren Bergen feste Schlösser gebaut, von denen sie das Land ringsum beherrschten. Gemeinsam besaßen sie nur eine große, aus Stein gefertigte, Axt. Mit dieser Steinaxt fällten sie die mächtigsten Bäume. Wenn einer der Riesen Holz benötigte, warf er seinem Bruder die schwere Steinaxt quer über das Wohratal zu. Im Wohratal soll dadurch jedes Mal ein sturmartiges Sausen und Rauschen vernommen worden sein. Jeder Riese hatte an seinem Berg einen kleinen Brunnen. Da sie diese Brunnen aber mit wenigen Zügen leer tranken, mussten sie ihren Durst aus der Wohra löschen.

Die Burgen sind nach dem Tod der Riesen verfallen, nur deren Namen sind geblieben. Vom Riesen Rausch soll der Berg Rauschenberg, an dem später die Stadt Rauschenberg erbaut wurde, seinen Namen erhalten haben. Hinsichtlich des Namens der Stadt Rauschenberg gibt es aber noch eine andere Deutung. Sie besagt, dass es bei dem Werfen der Steinaxt über das Wohratal jedes Mal so gerauscht hätte und demzufolge würde die Siedlung unterhalb des Schlossberges in Rauschenberg heute Rauschenberg heißen. Ein zwischen Burgholz und Emsdorf gelegener Brunnen wird heute noch nach dem Riesen Siddel „Siddelborn“ genannt. Das Ackerland in der Nähe des Siddelborns wird heute noch als Feldgemarkung „Siddel“ bezeichnet.

Der am Fußweg vom Wohratal nach Burgholz gelegene in Sandsteinquadern gefasste Brunnen wird angeblich nach dem Namen der Frau des Riesen „Siddel,“ Katharinenborn genannt. Eine andere Deutung besagt allerdings, dass der Katharinenbrunnen seinen Namen von der Schutzheiligen der Kirche in Burgholz, der „Heiligen Katharina“ erhalten hat. Wie die Sage weiter erzählt, sollen die eine halbe Wegestunde von einander entfernten Burgen auf dem Schlossberg bei Rauschenberg und auf der Burgholzer Höhe, die Hunburg, durch einen unterirdischen Gang verbunden gewesen sein. In dieser Hinsicht wurden allerdings bis zum Jahre 1983 auf dem Gelände der ehemaligen Befestigungsanlage „Hunburg“ noch keine Nachforschungen betrieben.

Um das Jahr 1830 gab es in Burgholz folgende Eigentümer von Grundstücken:

Haus Nr. 1 – Philipp Röder, Johs. Sohn
Haus Nr. 2 – Konrad Opper
Haus Nr. 3 – Konrad Röder, Happels Eid.
Haus Nr. 4 – Georg Martin
Haus Nr. 5 – Heinrich Debus, Engelhard
Haus Nr. 6 - Heinrich Paulus
Haus Nr. 7 – Konrad Kraft
Haus Nr. 8 – nicht bekannt
Haus Nr. 9 – Heinrich Debus
Haus Nr. 10 – Johannes Konrad Röder
Haus Nr. 11 – Heinrich Röder
Haus Nr. 12 – Johs. Heinrich Happel
Haus Nr. 13 – nicht bekannt
Haus Nr. 14 – Johannes Heeb
Haus Nr. 15 – Johannes Happel – Erben
Haus Nr. 16 – Wilhelm Debus
Haus Nr. 17 – Val.Heinrich Henkel
Haus Nr. 17 ½ - Konrad Debus
Haus Nr. 18 – Johannes Burg
Haus Nr. 19 – Johannes Neebes – Witwer
Haus Nr. 20 – Ludwig Klingelhöfer
Haus Nr. 21 – der Schullehrer ( heut Haus Burgweg 4 )
Haus Nr. 25 – Ludwig Kraft
Haus Nr. 29 – Konrad Röder
Haus Nr. 31 – Ernst Wunderlich
Haus Nr. 32 – Heinrich Debus, Seiberts Eid.


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