Geschichte des Dorfes Burgholz

Nach der Erzählung von Ernst Holzhauer - Marburg und Ergänzungen von Christian Trier 

Die Chronik des Dorfes Burgholz wurde im Jahre 1983 von dem Burgholzer Bürger Hermann Weber niedergeschrieben.

Steil fällt der 378 m hohe Burgholzer Berg 170 m zum Wohratal hin ab. Schon in vorgeschichtlicher Zeit hat der Berg sicher eine Bedeutung gehabt. Nirgendwo wurden in der Umgebung so viele Faustkeile, Steinbeile und Steinhacken gefunden, wie in der Burgholzer Gemarkung. Sie stammen aus der Jüngeren Steinzeit und sind im Universitätsmuseum in Marburg zu besichtigen. Ob auf dem Berg eine vorgeschichtliche Siedlung war (Quellen gibt es auf dem Berg) oder ob der Berg als Versammlungs- und Opferstätte oder Zufluchtsort gedient hat, ist ungeklärt.

Klarer wird die Bedeutung des Berges im 8. Jahrhundert. Der Berg erhielt in der Karolingerzeit zur Zeit Karls des Großen (regierte von 768-814) eine mächtige Burganlage, die Hunburg. Die Hunburg ist eine schildförmige Befestigungsanlage, die sich genau der Bergnase des Burgholzer Berges nach Norden hin anpasst. Ihre größte Länge beträgt 215 m und ihre größte Breite 102 m. Den Verlauf der Außenmauer kann man noch erkennen. Die Ausgrabungen von 1936 ergaben, dass vor dem Bau der 1,50 bis 1,80 m breiten Sandsteinmauer große Erdbewegungen zum Ausgleich des unebenen Geländes vorgenommen wurden. Die Höhe der Mauer konnte nicht bestimmt werden. Während an den zwei steilabfallenden, sturmfreien Seiten der Burganlage keine Wallgräben nötig waren, war an der nach Südwesten hin abfallenden Angriffsseite ein Wallgraben vorhanden. Er hatte eine Breite von 6 m und eine Tiefe von 2,50 m und lief nach unten spitz zu. Dieser Spitzgraben, der wahrscheinlich früher mit Palisaden versehen war, ist heute verschüttet, aber in seinem früheren Verlauf noch gut zu erkennen.

Im Burginneren liegt das „Kellerloch“, eine eiförmige, auffallende Vertiefung, genau gegenüber dem Haupttor. Nach Aussagen alter Burgholzer soll das „Kellerloch“ sehr viel tiefer und völlig ausgemauert gewesen sein. So liegt die Vermutung nahe, dass hier ein vielleicht turmartige Hauptgebäude gestanden hat.

Die Burganlage hatte große Vorratsräume, in welche die umliegenden Siedlungen ihre Abgaben entrichten mussten. Ferner war sie Stützpunk Heerhaufen und deren Verpflegung. Sicher gehörte diese Staatsfestung (Curtis) zu dem System von Schutzvorrichtungen der Franken gegen die Sachsen. Von hier war man in einem Tagesmarsch an der Eder, dem Grenzfluss. Der neben den Burgmauern befindliche „Katharinenborn“ versorgte die Burg mit Trinkwasser und spendet noch heute das beste Wasser des Berges. Nach dem Zerfall des Reiches Karls des Großen gelangte die Burganlage in den Besitz des Klosters Fulda. Fulda war aber nicht imstande, diese große Burganlage zu unterhalten und erbaute um 1060 die kleine Burg in Rauschenberg. So wurde der Gebietsmittelpunkt von der Hunburg nach Rauschenberg verlegt. Die Hunburg aber, die bis etwa 1900 für Burgholz und Rauschenberg als „Steinbruch“ gedient hatte, wurde wüst. Von der Außenmauer ist daher nur noch wenig vorhanden.

Burgholz wird urkundlich zuerst im Jahre 1263 erwähnt. Es ist aber umstritten, ob es eine Ortsbezeichnung ist oder die Bezeichnung für den Wald auf der Bergspitze, auf dem heute das Dorf steht. Das dicht neben der ehemaligen Burg gelegene Dorf Burgholz wird zuerst im Urkundenarchiv Ziegenhain als Borgholc´z im Jahre 1371 erwähnt. In diesem Jahre bekommt es nämlich der Ritter Johann Riedesel und dessen Vögte, die Grafen von Ziegenhain, als Lehen von der Abtei Fulda.

Interessant ist, dass im Urbar (Grundbuch) der Grafen von Ziegenhain 1366 das nie unbedeutende Allendorf im Bärenschießen (Stadtallendorf) gerade als vorm gehegten Wald Burgholz gelegen, bezeichnet wird. (Hess. Jahrbuch f. Landeskunde Bd. 13).

Im Jahre 1401 kauft der Landgraf von Hessen Burgholz mit der Streithecke (einem kleinen Waldstück) und hört damit auf, ein Lehen des Klosters Fulda zu sein. In einem Einwohnerverzeichnis von 1604 werden 13 Feuerstätten (Familien) aufgezählt. Im Jahre 1743 gab es in Burgholz 21 Häuser. Über Ereignisse im 30jährigen Krieg (1618 - 1648) und im 7jährigen Krieg(1756 - 1763) wissen wir nichts, da durch eine Feuersbrunst im Jahre 1775 fast das ganze Dorf vernichtet wurde, auch das Haus des Bürgermeisters mit sämtlichen Gemeindeakten.

Von 1807 bis zur Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 gehörte Burgholz zum Königreich Westfalen, das vom Bruder Napoleons, dem König „Lustig“, wie ihn die Leute nannten, von Kassel aus regiert wurde. An diese Zeit erinnert das noch vorhandene Gemeindesiegel in französischer Sprache (Bürgermeisteramt Kirchhain).

Im Jahre 1832 fanden die Burgholzer den Mut nach der Brandkatastrophe die jetzige Kirche zu bauen, eine schon vorhandene Kapelle stand da, wo heute die ehemalige Schule steht. Kirchlich gehört Burgholz zum Kirchspiel Halsdorf. Neben der Kirche steht das Ehrenmal für die Gefallenen der Gemeinde in den beiden Weltkriegen.

Erst 1925 wurde die Wasserleitung gebaut, und damit der Wassernot der Einwohner endlich ein Ende gemacht und der Brandschutz gewährleistet. 1927 erfolgte dann die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr.

Das Dorf ist, bedingt durch seine extreme Lage auf dem Berg, bis heute ein kleines Dorf geblieben. Meist wohnen hier Handwerker, die bis zum 2. Weltkrieg ihr Brot in Westfalen verdienten. Nur 6 landwirtschaftliche Betriebe hatten die Größe, dass sie im 3. Reich als Erbhöfe anerkannt wurden.

Burgholz ist heute ein schmuckes sauberes Dörfchen mit einem Kinderspielplatz, Sportplatz und Reitplatz, das gern von Fremden aufgesucht wird. Schon 1960 wurde Burgholz im Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ Bezirkssieger und 1962 Gebietssieger. In der Umgebung ist das Dorf seit langer langer Zeit als Kirschendorf bekannt, wo noch jedes Jahr im Juli die traditionelle Kirschenkirmes gefeiert wird, ein Anziehungspunkt für Jung und Alt. Heute besuchen zu jeder Jahreszeit viele Menschen den Ort, um vom 1968 errichteten 28 Meter hohen Aussichtsturm (Hunburgturm) einen herrlichen Fernblick über einen Teil unserer hessischen Heimat - zwischen Kellerwald und Dünsberg (bei Gießen) und zwischen Knüll, Vogelsberg und Rothaargebirge - zu genießen. Ein neben dem Turm neu errichtetes Hotel-Restaurant, sowie zwei weitere Gaststätten sorgten für gemütlichen Aufenthalt auf dem Berge. Desgleichen der Kiosk direkt am Turm.

Durch Beschluss der Gemeindevertretung schloss sich die Gemeinde freiwillig am 1. Januar 1971 der Stadt Kirchhain an, auch die Schule hörte damit auf zu bestehen.

Im Jahr 1977 konnte das Feuerwehrgerätehaus mit Gemeinschaftsraum und Küche eingeweiht werden, die Freiwillige Feuerwehr erhielt ein Tragkraftspritzenfahrzeug (TSF).

Burgholz ist seit langer Zeit bemüht, wegen seiner guten Lage, das Prädikat des Luftkurortes zu erhalten. Im Jahr 1978 konnten die hierfür erforderlichen Wetterbeobachtungen abgeschlossen werden. Am 10. Juli 1978 wurde, in einer Feierstunde, Burgholz das Prädikat „staatlich anerkannter Erholungsort“ verliehen. Seither wird jeder Gast am Ortseingang durch eine Eichentafel mit der Aufschrift „Willkommen im staatlich anerkannten Erholungsort“ begrüßt.

Im gleichen Jahr wurde ein Vita-Parcours unterhalb des Aussichtsturms angelegt. Ebenfalls konnte ein lang gehegter Wunsch der Burgholzer in Erfüllung gehen. Auf dem ehemaligen Tanzplatz unter den Buchen entstand ein Grillplatz, der in die Obhut des Verkehrs- und Verschönerungsvereins übergeben wurde. Der Verein zeichnete sich hier bei der Erstellung der rustikalen Sitzgruppen verantwortlich.

Als weitere Attraktion des Erholungsortes baute die Stadt Kirchhain im Jahre 1980 am Südrand des Dorfes eine Kneippanlage, die seither rege in Anspruch genommen wird. Eine Schutzhütte in Holzbauweise folgte im Jahr 1986 in Eigenleistung.

Im Jahre 1982 konnte man das 150jährige Bestehen der Burgholzer Kirche mit einem Festgottesdienst und einer Feierstunde im Gemeinschaftsraum begehen.

In den Jahren 1983 und 1984 wurde, zur Verbesserung der örtlichen Wasserversorgung, ein neuer Hochbehälter mit einem Fassungsvermögen von insgesamt 150 cbm gebaut. Der alte Hochbehälter steht seither als Löschwasserbehälter zur Verfügung. Die in 1925 gebaute Wasserleitung wurde im gesamten Oberdorf bis zum Lindenplatz erneuert und mit einer Druckerhöhungsanlage ausgestattet. Die Erneuerung der Wasserleitung in der Emsdorfer Straße folgte dann im Jahre 1985.

Im Jahr 1986 gab der Landkreis Marburg - Biedenkopf die Kreisstraße im Ortsbereich an die Stadt Kirchhain zurück. Zuvor erfolgte eine Erneuerung der Fahrbahn. Das vorhandene Pflaster wurde wieder eingebaut. Im gleichen Zuge baute man auch die Bürgersteige neu aus. Sie wurden mit einer Pflasterung versehen und mit Rotdornbäumen bepflanzt.

Der Sportplatz, in idyllischer Lage am Waldrand, konnte im gleichen Jahr erneuert werden. Es wurde eine Schicht Mutterboden aufgebracht und ausgesät. Eine Umzäunung folgte. So steht dem, zu neuem Leben erwachten, Sportverein ab diesem Jahr wieder ein gut bespielbarer Sportplatz zur Verfügung. Es ist zu wünschen, dass der Ort weiterhin eine günstige Aufwärtsentwicklung nimmt.

Das Gemeinschaftshaus, im Jahre 1977 erbaut, stellte sich durch die rege Inanspruchnahme als zu klein geraten heraus. Nach intensiven Bemühungen seitens der Stadt Kirchhain und des Ortsbeirats konnte im Februar 1988 ein Anbau mit Thekenbereich, Getränke-, Stuhllager und Behindertentoilette seiner Bestimmung übergeben werden. Seither stehen der Bevölkerung wahlweise ein kleiner und ein großer Saal zur Verfügung, die aber auch in eine Einheit verwandelt werden können und für 120 Personen Platz bieten.

Der Stadtteil Burgholz nahm regelmäßig an den Wettbewerben „Unser Dorf“ teil. Dies hatte stets eine Platzierung auf den vordersten Plätzen zur Folge. Im Jahr 1992 wurden die Bemühungen von besonderem Erfolg gekrönt. Es wurden nacheinander die Titel des Bezirks-, Gebiets- und Landessiegers eingefahren. All diese Bemühungen wurden durch die Überreichung einer Bronzeplakette des Hess. Verkehrsministers auf dem Hessentag 1996 in Gelnhausen gewürdigt.

Bei den Bemühungen der Verschönerung des Dorfes und der Förderung des dörflichen Miteinanders entsprangen die Ideen, das Backhaus wieder aufzubauen und für die Jugend ein Domizil zu schaffen. Durch fleißige Hände der Bürgerinnen und Bürger entstanden beide Objekte ausschließlich in Eigenleistung.

Inzwischen gehört das Backhausfest im September zu einem festen Bestandteil des örtlichen Veranstaltungskalenders und auch der Kirschkuchen bei der traditionellen Kirschenkirmes wird von den Mitgliedern des Verkehrs- und Verschönerungssvereins im Backhaus gebacken.

Die Dorfjugend hat ihr Domizil bezogen und nutzt es rege. Dank der Spendenfreudigkeit der örtlichen Vereine konnte auch die Inneneinrichtung aus Spendenmitteln beschafft werden.

Die Kirche, mittlerweile gut 175 Jahre alt, befand sich in einem schlechten baulichen Zustand. Mängel an tragenden Teilen der Balkenkonstruktion mussten behoben werden. Nach Ausführung dieser Bausubstanz sichernden Arbeiten folgte die Innenrenovierung. Alle Maßnahmen erfolgten unter Beteiligung der Denkmalbehörde. Für die nicht mehr reparable Kirchenorgel wurde eine elektronische Orgel angeschafft. Am 2. Advent 1996 konnte in einem feierlichen Gottesdienst unter Beteiligung des Dekans und des Bezirkskantors das in neuem Glanz erstrahlte Gotteshaus wieder seiner Bestimmung übergeben werden.

Im Jahr 1999 wurde mit Hilfe der Vereine, Privatleute, der Stadt Kirchhain, der Region Burgwald und der EU die Toilettenanlage unterhalb des Aussichtsturmes erneuert und zu einen Touristeninformationszentrum umgestaltet. Zudem war auch geplant, den Aussichtsturm ebenfalls 1999 zu renovieren und ihn mit Solaranlagen zu versehen. Dieses Vorhaben konnte aber vorerst nicht realisiert werden. Nachdem im August 1999 ein Unwetter der alten Linde in der Dorfmitte einen schweren Schaden zugefügt hatte, wurde sie kurzer Hand gefällt und es wurde eine neue gepflanzt. Schließlich trägt der Platz ja den Namen Lindenplatz.

Nach 20 Jahren als Ortsvorsteher trat Walter Schaub im Jahr 2001 zurück und legte die Geschicke des Dorfes „in jüngere Hände“. Neuer Ortsvorsteher ist seither Björn Debus. Im Jahr 2002 wurde Burgholz offiziell in das Dorferneuerungsprogramm aufgenommen. Ziel dieses Programms ist es die dörfliche Gemeinschaft zu stärken, die Eigeninitiative der Bürgerinnen und Bürger zu beleben, aber auch die Infrastruktur und die erforderlichen Modernisierungen und Sanierungen alter Gebäude voran zu treiben. Im Jahr 2003 wurde als erste Maßnahme das alte Spritzenhaus am Kirchhainer Weg nahezu in Eigenleistung renoviert. Im Jahr 2006 wurde begonnen das Dorfgemeinschaftshaus funktionaler zu gestalten und ebenfalls zu modernisieren. Die Eigenleistung der Bürgerinnen und Bürger wird aber auch von Gönnern des Dorfes unterstützt. Das dann renovierte Dorfgemeinschaftshaus soll von dem neu gegründeten Förderverein „Unser Dorf Burgholz“ betrieben werden, da die Unterhaltungskosten von der Stadt Kirchhain nicht mehr getragen werden können.


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